Die Geschichte von Schifflingen
Auch wenn keine genaue Klarheit über die Rolle besteht, die Schifflingen zu jener Zeit spielte, lässt sich sagen, dass der Ort – ohne von großer Bedeutung zu sein – bereits zur Zeit der Kelten bestand. Bedeutendere Spuren stammen aus der gallo-römischen Epoche, in der Schifflingen – gut geschützt durch die eisenhaltigen Hügel – gewiss bereits eine wichtigere Rolle spielte.


Die Entstehung des Namens „Scuffelingen“
Das erste Dokument, das den Namen Schifflingen erwähnt, stammt aus der Zeit zwischen den Jahren 795 und 798. Es handelt sich um eine Schenkungsurkunde, mit der ein gewisser „Hericus“ seine in „Scuffelingen“ gelegenen Ländereien der Abtei Echternach schenkte. Diese Urkunde liefert uns den unumstößlichen Beweis, dass Schifflingen zu den ältesten Ortschaften des Landes zählt. Viele Jahre lang ging die Geschichte des Ortes mit den kirchlichen Ereignissen und später mit der Geschichte der Pfarrei einher, die auf das Jahr 983 zurückgeht. Die Entwicklung stagnierte, sodass der Ort, der praktisch nur von eng mit ihrem Land verbundenen Landleuten bewohnt war, mehr oder weniger im Hintergrund des sich am Ufer der Alzette entwickelnden Lebens blieb. Erst 1287 gewann der Ort an Bedeutung, als er vom Herzog von Lothringen in den Rang einer (freien) „Neustadt“ erhoben wurde.

Partnerstadt Drusenheim
Der Name Drusenheim soll auf Claudius Drusus zurückgehen, einen berühmten Römer, den bevorzugten Stiefsohn von Kaiser Augustus, Sohn der Kaiserin Livia und Bruder von Tiberius Nero.
Claudius Drusus war der römische Befehlshaber des keltischen Galliens und der beiden Germanien. Er ließ sich genau an dem Ort nieder, an dem sich heute Drusenheim befindet. Kaiser Augustus hatte ihn zu seinem Nachfolger bestimmt, doch das Schicksal sollte es anders wollen. Claudius Drusus stürzte im Jahre 9 vor Christus tödlich vom Pferd. Sein Bruder Tiberius Nero erbte die Kaiserkrone.
Das elsässische Dorf, in dem Claudius Drusus gelebt hatte, wurde ihm zu Ehren Drususheim getauft, woraus später Drusenheim wurde.
Seit 1420 ein Dorf der Herrschaft Lichtenberg und einst befestigt, nahm es 1571 die Reformation an und kehrte bei der Eroberung des Elsass durch Ludwig XIV. zum Katholizismus zurück.
Am 3. Oktober 1970 unterzeichneten die Stadt Drusenheim und die Gemeinde Schifflingen ihre Partnerschaft als „Partnerstädte“. So konnten die beiden Gemeinden im Jahr 2020 ihr 50-jähriges Jubiläum feiern.

Mir dierfen net vergiessen...
Projekt „Stolpersteng“ 2021
Das Stolpersteng-Projekt in Schifflingen wurde von den Verantwortlichen der Schifflinger Sektion der Liga der politischen Gefangenen und Deportierten sowie der Frënn vum Resistenzmusée aus Esch an der Alzette ins Leben gerufen.
Seit 1992 ehrt der deutsche Künstler Gunter Demnig das Andenken an die Opfer des Nationalsozialismus (Juden, Roma, Sinti, Widerstandskämpfer usw.), indem er „Stolpersteine“ vor dem letzten frei gewählten Wohnort der Opfer vor ihrer Flucht / Verhaftung / Deportation verlegt. Seit Beginn dieser Initiative wurden mehr als 70.000 dieser Betonsteine mit Messingoberfläche und den Maßen 10x10x10 cm in 24 europäischen Ländern und in Argentinien verlegt.
Seit 2013 wurden auch in Luxemburg fast 100 „Stolpersteine“ verlegt: in Ettelbrück, Esch an der Alzette, Differdingen, Sanem-Beles, Bad Mondorf, Remich, Grevenmacher, Echternach und Schifflingen.
Im Rahmen der Verlegungsfeier der „Stolpersteine“ in Schifflingen am 23. April 2021 wurde eine Broschüre veröffentlicht.
Weitere Veröffentlichungen zur Schifflinger Geschichte im Zusammenhang mit der Besatzung im Zweiten Weltkrieg:
Schicksalsweg einer jüdischen Familie aus Schifflingen
Schifflingen im Ausnahmezustand – Zwischen Kriegsvorbereitungen, Evakuation und Besatzung
Die Eingemeindung Schifflingens an Esch/Alzette – Ein Rekonstruktionsversuch

Die Pfarrei Schifflingen
Zu jener Zeit und seit 1128 gehörte Esch an der Alzette zur Pfarrei Schifflingen (ebenso wie Lallingen, Bergem, Udingen, Mittenthal und die Lamesch-Mühle), sodass die Pfarrkirche auf dem „Sankt-Martins-Hügel“, mitten im heutigen Friedhof gelegen, das große Zentrum des Lebens von Schifflingen und seiner weiten Umgebung war. Bedeutende Veränderungen traten ein, als 1244 das Kloster Bonneweg große Ländereien in Schifflingen erwarb und als 1285 das Kloster Sainte-Marie-aux-Nonnains aus Metz den Zehnten seiner materiellen Güter in Schifflingen an das Kloster Marienthal abtrat, dies mit allen Freiheiten, die einer „Neustadt“ zustanden. Es folgte eine lange Zeit von Kriegen, Katastrophen und Epidemien, die den Süden des Landes und seine arbeitsame Bevölkerung hart trafen. Fast vier Jahrhunderte lang schritt die Entwicklung Schifflingens nur zögerlich voran und erlitt sogar einen Rückschritt, als 1742 der Hohe Rat von Mecheln die Trennung Eschs an der Alzette von der großen Pfarrei Sankt Martin verfügte. Zudem wurde 1742 das Kloster Marienthal aufgelöst, und am Horizont zeichneten sich die verheerenden Schicksalsschläge ab, die der Französischen Revolution vorausgingen. Von napoleonischen Truppen zerstört, wurde die Pfarrkirche nicht mehr an ihrem ursprünglichen Ort wiederaufgebaut … sondern mitten im Ortskern (1822). Dies markierte den Beginn einer neuen Epoche, die dank der Erschließung der Erzfelder einen immer rascheren Aufschwung erlebte. Trotz eines großen Brandes, der die gesamte Rue Basse (Niddeschgaas) zerstörte (1862), sowie einer verheerenden Cholera-Epidemie (1866) ging Schifflingen mit dem systematischen Abbau der Eisenerzminen und dem Bau der Hochöfen, die an das internationale Eisenbahnnetz angeschlossen wurden, voran.
Die Einwohnerzahl wuchs stetig und machte den Bau einer großen Schule sowie einer den neuen Bedürfnissen angepassten Infrastruktur erforderlich. Der ländliche Charakter verschwand im gleichen Maße, wie die zahlreichen Arbeiter erschienen, die aus allen Ecken des Landes und sogar aus dem Ausland kamen, um an dem Reichtum teilzuhaben, den die Stahlindustrie versprach. Aus dieser Bevölkerung mit neuem Gesicht erwuchs ein großer Lokalstolz, der eine rasche Trennung von der Muttergemeinde Esch an der Alzette forderte, der Schifflingen einverleibt worden war, als Baron von Tornaco all seine Schifflinger Ländereien an die Herren von Esch und Bervard abtrat.
Die Unabhängigkeit
1875 führte dieser Drang zur kommunalen Unabhängigkeit zu einer „Petition mit 1000 Unterschriften“ an die Abgeordnetenkammer und mündete in den Trennungserlass, der am 6. Juli 1876 von Prinz Heinrich als Vertreter Wilhelms III., König der Niederlande und Großherzog von Luxemburg, unterzeichnet wurde. Schifflingen war eine unabhängige Gemeinde mit nur einer Sektion.
Erster Verwalter der neuen Gemeinde wurde Herr Michel Noël (9.9.1876), gefolgt am 7.2.1882 von Herrn Jean Klein, dem ersten offiziell gewählten Bürgermeister.
Die Entstehung der Kolonien
Zunächst blieb die Einwohnerzahl Schifflingens noch etwas konstant, doch 1912 änderte sich alles: Die Fusion des alten Werks der Familie Metz mit den Vereinigten Hüttenwerken von Eich-Dommeldingen brachte nicht nur die Erweiterung und Modernisierung der Werksanlagen, sondern ließ ganz in der Nähe auch Arbeiterhäuschen (Kolonien) errichten, was schlagartig mehr als 500 neue Arbeiter anzog, die jenen Wohlstand suchten, der im Hinterland und besonders in den überwiegend bäuerlich geprägten Dörfern fehlte. Der Erste Weltkrieg brachte nicht nur Elend, Armut, Epidemie und Trauer, sondern löste auch eine Weltwirtschaftskrise aus, von der die Gemeinden im Süden unseres Landes hart getroffen wurden. Unsere Stahlindustrie stand kurz vor dem völligen Stillstand.
Als die Kanonen verstummt waren, erholte sich die arbeitsame Bevölkerung Schifflingens nur sehr langsam und mühsam von den schweren Schicksalsschlägen, doch sie trotzte mit Mut und Fleiß den harten Folgen dieses sinnlosen Krieges. Schifflingen und seine zähe, entschlossene Arbeiterschaft nahmen erneut den steilen Anstieg in Richtung Hoffnung und Zuversicht in Angriff.
Schifflingen und seine Bürgermeister
- Carlo Feiereisen — 2025 -
- Paul Weimerskirch — 2017 – 2025 (01.08.2025)
- Roland Schreiner — 2003 – 2017
- Nelly Stein — 1994 – 2002
- Nicolas Frisch — 1985 – 1993
- Astrid Lulling — 1970 – 1985
- Hubert Olinger — 1964 – 1969
- Denis Netgen — 1944 – 1963
- Nicolas Grund (an Esch/Alzette angegliedert) — 1935 – 1941
- Denis Netgen — 1929 – 1934
- Jean Jaas (kommissarisch) — 1926 – 1928
- Jean Claus — 1917 – 1925
- Gaspar Arensdorf — 1916
- Jean Klein — 1912 – 1915
- Jean Conrad — 1893 – 1911
- Michel Noel — 1888 – 1892
- Jean Klein — 1883 – 1887
- Michel Noel — 1876 – 1882